• Foto in schwarz weiß von Herbert Eichholzer

9.1.2018

Gedenken an Herbert Eichholzer

KLUMP – der Name eines Holzspielzeugs – das ist die Verbindung von Chance B zum Grazer Architekten Herbert Eichholzer, dessen Todestag sich am 7. Jänner 2018 zum 75. Mal jährte. Herbert Eichholzer prägte die moderne Architektur der 1930er Jahre in Graz und in der Steiermark ganz entscheidend, er war Träger des Österreichischen Staatspreises sowie der Goldenen und Silbernen Medaille für Kunst und Wissenschaft. Und er war aktiver Widerstandskämpfer im NS-Regime.

Dieser Tage jährte sich der 75. Todestag des Grazer Architekten Herbert Eichholzer, der als aktiver Widerstandskämpfer während des NS-Regimes tätig war. Aus seiner Widerstandsgruppe ist das einzige Flugblatt gegen die Tötung von Menschen mit Behinderung im Rahmen der Aktion T4 erhalten. Er wurde am 7. Jänner 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet.

KLUMP, ist der Name, den der Österreichische Architekt Herbert Eichholzer einem von ihm 1935 entworfenen Holzspielzeug gegeben hat. Die Chance B hatte für ein Gedenkprojekt im Zuge des „Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung 2003“ die Rechte an diesem Spielzeug erworben. Die Pläne wurden rekonstruiert:  KLUMP – das sind Haus- und Zootiere, Bauernhäuser und Kirchen. Dieses besondere Holzspielzeug wurde in der Chance B Holzwerkstatt von 2003 bis 2015 hergestellt. Gemeinsam mit dem Dachverband „Die Steirische Behindertenhilfe“ unter seinem Präsidenten Franz Wolfmayr wurde 2002 in der Chance B das Projekt KLUMP entwickelt – in seiner Umsetzung ist es zum steirisches Leitprojekt zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung geworden. Eine Broschüre und ein Fernsehfilm sowie eine Wanderausstellung zur Thematik brachten ein offizielles Gedenken an die Toten der Aktion T4 in Österreich in die Schulen und Gemeinden. „Gerade im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung 2003 sollte die gesellschaftspolitische Dimension aufgezeigt werden, die Veränderung der Paradigmen, vom Vernichten von Menschen mit Behinderung über das Beschützen zur Sicherung gleicher Rechte und Chancen aber auch der neuen Gefahren heute“, schrieb damals Regina Senarclens de Grancy, die Projektinitiatorin und frühere Chance B Geschäftsführerin.

Auch heute im Jahr 2018 halten wir das aktive Gedenken aufrecht.

Der Grazer Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit – CLIO – hat die Geschichte von Herbert Eichholzer erstmals 1998 in einer überregionalen Ausstellung ins öffentliche Interesse gebracht und gedenkt anlässlich seines Todestages an ihn:

Facebook-Eintrag von CLIO, 4. Jänner 2018:

„Vor 20 Jahren haben wir mit der Ausstellung und dem Buch „Herbert Eichholzer 1903–1943 – Architektur und Widerstand” den Grazer Architekt und Widerstandskämpfer wiederentdeckt. Der Anlass war damals sein 55. Todes- und 95. Geburtstag. Dieser Tage jährt sich der Tag, an dem er vor 75 Jahren wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime hingerichtet wurde. Eine Gelegenheit ihn wieder einmal vorzustellen, auch angesichts dessen, dass dieser Tage das von ihm geplante Haus Leskoschek abgerissen wurde.
Dass Herbert Eichholzer einer war, der die moderne Architektur der 1930er Jahre in Graz und in der Steiermark ganz entscheidend geprägt hat, wusste auch der Ankläger vor dem Volksgerichtshof, wenn er meinte: „Der Angeschuldigte, der sehr belesen ist und in seinem Beruf als Architekt vor dem Umbruch in der Ostmark sowohl in Fachkreisen als auch allgemein bekannt geworden ist – er erhielt den Österreichischen Staatspreis sowie die Goldene und die Silberne Medaille für Kunst und Wissenschaft – , arbeitete von 1921 bis 1932 in allen Ländern Europas und in Abessinien. Im Jahre 1929 war er einige Monate in Paris bei dem Architekten Le Corbusier, der in Frankreich als Kulturbolschewist bezeichnet wurde, und 1932 etwa fünf Monate in Moskau tätig.”
Der am 31. Jänner 1903 in Graz geborene Herbert Eichholzer hatte in den 20er Jahren an der Technische Hochschule bei den eben erst nach Graz berufenen Professoren Julius Schulte und Friedrich Zotter Hochbau studiert. Mit letzterem sollte er später eine Reihe von Häusern planen. Wie für eine ganze Generation von jungen Architekten der Avantgarde war auch für Eichholzer die Auseinandersetzung mit dem Werk Le Corbusiers und vor allen seine Tätigkeit bei ihm als Volontär 1928/29 in Paris von bleibendem Einfluss, wie einige seiner Häuser zeigen. Welche Widerstände Herbert Eichholzer als Vertreter des Internationalen Stiles hervorrief, belegen Berichte von ZeitgenossInnen. So soll ein Hochbauprofessor mit seinen StudentInnen zu seinen Häusern nach Andritz gegangen sein, um ihnen zu zeigen, wie sie nicht bauen sollen.
Herbert Eichholzer, seit 1926 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und des Republikanischen Schutzbundes, war in den letzten Monaten vor dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland innerhalb der Sozialen Arbeitsgemeinschaft gegen die drohende Annexion engagiert. Am 12. März 1938 musste er deshalb untertauchen und floh zunächst nach Paris, ehe er im November einem Ruf nach Ankara ins Atelier Clemens Holzmeisters Folge leistete. In der Türkei war Eichholzer in der Folge die Anlaufstelle der Funktionäre der illegalen Auslandsorganisation der KPÖ, in der er nun tätig wurde. Margarete Schütte-Lihotzky berichtete, dass sich unmittelbar nach Eichholzers Ankunft eine Gruppe von österreichischen KommunistInnen zusammenfand, die im Frühjahr 1940 daran ging, einzeln nach Österreich zurückzukehren. Der erste war Herbert Eichholze, wenig später sollten noch die Architektinnen Ines Viktoria Maier und Margarete Schütte-Lihotzky mit dem Auftrag, den kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich zu (re)organisieren und die Verbindungen mit dem Ausland wieder herzustellen, folgen. In Graz nahm Eichholzer Kontakt zu der kommunistischen Gruppe um den Regisseur Karl Drews, dem Archivar Franz Weiß und den Versicherungsvertreter Josef Neuhold auf. Gemeinsam errichteten sie ein Widerstandsnetz, das in verschiedene Umgebungsgemeinden von Graz, in die West- und Obersteiermark und bis nach Wien reichte, produzierten und vervielfältigten eine Reihe von Flugschriften. Unter anderem auch eine, die über die NS-Euthanasie am Feldhof berichtete. Nachdem im Jänner 1941 in Wien die Spitze der illegalen KPÖ verhaftet worden war, rollte wenig später auch über die Steiermark eine Verhaftungswelle. Anfang Februar wurde Herbert Eichholzer verhaftet. Über eineinhalb Jahre später und nachdem aus der von ihm mitaufgebauten steirischen Widerstandsgruppe fast 20 Mitglieder zum Tode und weitere 200 zu langen Kerkerstrafen verurteilt worden waren, wurde er im September 1942 zum Tode verurteilt und am 7. Jänner 1943 in Wien hingerichtet.“

KLUMP

Verein CLIO

Holzverarbeitung in der Chance B